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Der CBAM-Engpass: Warum Brüssel die Strom-CO₂-Steuer vorerst aussetzen muss

Die Europäische Union hat ihre Klimaziele nie verheimlicht. Der Mechanismus zur CO₂-Grenzausgleichszahlung (CBAM) ist das Glanzstück dieser Bemühungen.

Der CBAM-Engpass: Warum Brüssel die Strom-CO2-Steuer auf Eis legen muss

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Die Europäische Union hat noch nie mit ihren klimapolitischen Ambitionen gegeizt. Der Kohlenstoffgrenzausgleichsmechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) ist das Glanzstück dieses politischen Rahmens, mit dem die Verlagerung von CO2-Emissionen durch die Besteuerung schmutziger Importe verhindert werden soll. Für Stahl, Zement und Aluminium ist er absolut sinnvoll. Wenn man jedoch versucht, die Logik der physischen Grenzen auf die fließende Physik der Strommärkte anzuwenden, beginnt das System zu knarren.

Ein sehr einflussreicher neuer Bericht der Denkfabrik Bruegel hat genau dieses Problem hervorgehoben und die EU aufgefordert, die Anwendung von CBAM auf den Energiesektor bis mindestens 2028 zu verschieben. Für leitende Energiemanager und Strategen ist dies nicht nur eine politische Nuance. Es ist eine Warnung vor einer möglichen Störung der Versorgungssicherheit und der Handelsspannen auf dem gesamten Kontinent.

 

Die “Elektronenverfolgungs”-Falle

 

Der Kern des Problems ist technischer Natur, hat aber massive finanzielle Auswirkungen. Anders als bei einer Stahlspule kann man einem Elektron keinen Herkunftsnachweis aufdrücken. Die derzeitige Frist bis 2026 geht davon aus, dass wir Strom, der aus Nachbarländern wie dem Vereinigten Königreich, der Türkei oder den westlichen Balkanstaaten in die EU gelangt, auf der Grundlage seiner Kohlenstoffintensität genau besteuern können.

Die Bruegel-Analysten weisen auf ein kritisches Schlupfloch hin, das als “Ressourcenverschiebung” bekannt ist. In diesem Szenario könnte ein Nicht-EU-Nachbar mit einem gemischten Netz (erneuerbare Energien plus Kohle) einfach seine gesamte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien für den Export in die EU deklarieren, um die CBAM-Steuer zu vermeiden, während er seine Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen für den heimischen Markt nutzt. Das Ergebnis? Auf dem Papier importiert die EU “grünen” Strom. In Wirklichkeit bleiben die Gesamtemissionen unverändert.

Für den Leiter der Geschäftsentwicklung, der sich mit grenzüberschreitenden Stromabnahmeverträgen (PPA) befasst, bedeutet dies ein großes Problem. Wenn die EU hart durchgreift, um diese Umschichtung zu verhindern, führt dies zu komplexen, schwerfälligen Compliance-Auflagen, die die Handelsliquidität einfrieren könnten.

 

Das Risiko der Versorgungssicherheit

 

Für die Chefetage ist die Sicherheit die größte Sorge. Europa ist zunehmend auf Verbindungsleitungen angewiesen. Wir tauschen Strom mit dem Vereinigten Königreich, Norwegen (das Teil des EWR ist, so dass andere Regeln gelten, aber das Prinzip gilt auch für andere) und den Balkanländern, um unsere intermittierenden erneuerbaren Energien auszugleichen.

Wird CBAM schlecht oder zu früh eingeführt, wirkt es wie ein Handelshemmnis. Es fügt eine zusätzliche Kostenebene hinzu, die Importe unter angespannten Marktbedingungen unrentabel machen könnte. Im schlimmsten Fall könnten sich Nicht-EU-Erzeuger einfach dafür entscheiden, nicht in den Binnenmarkt zu exportieren, anstatt sich durch ein labyrinthisches Compliance-System zu kämpfen.

Wir sehen bereits Reibungen im Stromhandel nach dem Brexit. Die Einführung einer Kohlenstofftarifmauer im Jahr 2026 ohne ein vollständig harmonisiertes System birgt die Gefahr, dass sich die Preisspitzen in den Wintermonaten verschärfen, wenn das EU-Netz externe Unterstützung am dringendsten benötigt.

 

Der strategische Schwenk: Warten auf die Marktkopplung

 

Die Empfehlung, die Umsetzung zu verschieben, bedeutet nicht, das Ziel aufzugeben. Es geht darum zu warten, bis der Mechanismus mit der Realität Schritt hält. Die klugen Köpfe schlagen vor, dass die EU warten sollte, bis eine vollständige “Marktkopplung” mit diesen Nachbarn erreicht ist oder bis deren nationale Kohlenstoffpreisregelungen vollständig an das EU-Emissionshandelssystem (ETS) angepasst sind.

Für die Anlagestrategie bietet diese potenzielle Verzögerung eine Atempause. Sie deutet darauf hin, dass sich die derzeitige Volatilität der Spreads im grenzüberschreitenden Handel beruhigen könnte, wenn Brüssel die Empfehlung annimmt. Es verschafft Zeit für die Entwicklung eines ausgefeilteren, datengestützten Ansatzes für die Kohlenstoffbilanzierung.

 

Was Führungskräfte beachten sollten

 

Für die Führungsteams besteht die unmittelbare Aufgabe darin, die Reaktion der Europäischen Kommission auf diesen Bericht zu beobachten. Wenn sie sich auf das Jahr 2026 versteift, ist mit einem Ansturm komplexer Compliance-Arbeiten und einer möglichen Unterbrechung der Verbindungsflüsse zu rechnen. Akzeptieren sie die Verzögerung, signalisiert dies eine pragmatische Verschiebung zugunsten der Versorgungssicherheit gegenüber einer starren Ideologie.

Letztlich macht Elektrizität nicht an Grenzen halt. Der Versuch, ihn so zu besteuern, als würde er bei der Passkontrolle aufhören, ist eine hochriskante Strategie. Im Interesse der Netzstabilität und effizienter Märkte ist eine Pause bei der Strom-GBM der einzig logische Schritt.

Weiterführende Literatur

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P54 Kurzbericht zum Energiewachstum
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